Mössinger/Schorer PLAYING

Ein Jazzmusiker mit Sinn für klassische Musik trifft auf einen klassischen Schlagzeuger mit Liebe für Jazz
und schon eröffnet sich ein Spielfeld, um genreübergreifend Neues zu entdecken und Grenzen zu sprengen.
Johannes Mössinger und Jochen Schorer, Schlagzeuger des SWR Sinfonieorchesters, tun genau dies und kreieren,
mit ihrem großen Background aus Klassik, Jazz und moderner Musik, ein rhythmisch-harmonisches Powerprojekt
– moderne Musik für Schlagwerk und Piano.
Im Mittelpunkt stehen Kompositionen von Johannes Mössinger für Marimbaphon und Klavier,
ebenso wie Songs mit Vibraphon und Percussion Instrumenten.

 

Johannes Mössinger & Jochen Schorer

Presse:
„…Ein Duo schlicht „Playing“ zu nennen, zeugt von Souveränität und Understatement. Einträchtig werden rhythmische Figuren unisono vorgetragen,
um sie unmerklich mit solistischen Ausgestaltungen zuformen. Schorer gleitet behände mit vier Schlegeln über die Holzplatten seines über zwei Meter langen Marimbaphons. Dem weichen, warmen Klang stellt er gelegentlich auf den Metallplatten des Vibraphons Härteres entgegen.
Mössinger gibt sich von derlei Spielfreude inspiriert und verwandelt den Flügel flüchtig in ein Perkussionsinstrument. „Spring in Versailles“ erinnert an sein erstes Solo-Album von 1998. Auch Chick Coreas „Childrens Songs“ packen das Publikum. Recht experimentell gerät schließlich Mössingers „Suite 4-2-5“. Wenn der Perkussionist mit
Bogen und bloßen Händen die Holzplatten bearbeitet sowie auf einem Tonkrug die wunderbare Melodie in heftiges Fortissimo treibt, hält es den Pianisten nicht mehr auf seinem Sitz…“ (BZ Jan.2013)

Sie wollen nur spielen – Playing: Das Freiburger Klassik-Jazz-Duo Schorer/Mössinger

Crossover. In einer Zeit, da schon Autos diesen Namen tragen, hat das Wort längst ein G’schmäckle. Auch Johannes Mössinger windet sich ein wenig bei dem Begriff und meint, er sei heutzutage schon reichlich “abgenutzt”. Was nur eine Teilantwort auf die Frage ist, wie die musikalische Liaison, die der bekannte Jazzpianist und sein Kollege, der Schlagzeuger Jochen Schorer begonnen haben, denn nun zu charakterisieren sei, um es dann ganz schlicht zu sagen: “Wir gehen aufeinander zu.” Und sein Kollege ergänzt schmunzelnd: “ Wir verstehen es als gemeinsame Spielwiese.”

Damit spielt der aus Tuttlingen stammende erste Schlagzeuger beim SWR-Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg auf den Namen an, den sich das Duo gegeben hat: “Jochen Schorer, Johannes Mössinger – Playing”. Dass Musiker miteinander spielen, ist nun nicht so ungewöhnlich. Trotzdem ist der musikalische Schulterschluss der beiden in Freiburg lebenden Kollegen bemerkenswert, steht er doch exemplarisch für die Überwindung eines Lagerdenkens. Gibt’s so was noch? “Vielleicht beim Publikum, beim Hörer weniger”, sagt Mössinger. “Aber für uns als Musiker gibt es immer noch die Lager. ”Hier der Jazz, dort die Klassik. Und so ist es vielleicht symptomatisch, dass der Kontakt der beiden nicht auf der professionellen Ebene, sondern der privaten, nachbarschaftlich – familiären Ebene zustande kam.

Beide Musiker sind auf ihrem Sektor Profis. Mössinger gehört zu den deutschen Jazzpianisten der ersten Garnitur und ist spätestens seit seiner erfolgreichen Zusammenarbeit mit dem New York Trio auch auf internationaler Ebene ein Begriff. Schorer war Stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volks, errang den ersten Preis des Hochschulwettbewerbs an der Musikhochschule Franz Liszt in Weimar. Aber gerade die Ernsthaftigkeit, mit der beide auf ihren Gebieten arbeiten, scheint den musikalischen Schulterschluss zu erschweren. Denn vielleicht ist es die hohe Professionalität, die die Musiker so skrupulös macht. Schorer sagt: “Wenn ich nicht in meiner Freizeit so viel Jazz gemacht hätte, würde ich mich nicht trauen, das zu machen.”

Und bei Mössinger klingt es identisch, nur eben invers: “Für mich war klassische Musik immer ein wichtiger Teil. Ich habe sie geliebt, aber nicht, weil ich dachte, ich muss das machen.” Und was machen sie da nun? Sie teilen ihre Erfahrungen. Der Komponist Mössinger spielt nicht nur frei, sondern auch zuweilen – untypisch für den Jazz – nach Noten. Und der Perkussionist Schorer öffnet sich dem Improvisieren. Wobei es in der zeitgenössischen Musik nicht selten so sei, sagt er, dass man Monate lang eine in Noten fixierte Komposition übe,“ und dann sagt einer: Das klingt nach Improvisation.” Aufeinander zugehen…Begonnen hatte es mit Duos von Chick Corea, und dann kam nach und nach der Wunsch nach mehr. Denn das Besondere an der Kombination ist ihr ungemein warmer, räumlicher Klang.

Jochen Schorer spielt auf dem Marimbaphon und nicht, wie sonst häufiger üblich, auf dem Vibraphon, was bedeutet: Holzklangstäbe statt Metallklangstäben. Und anderthalb Oktaven mehr Tonumfang nach unten. Dadurch bekommt der Sound noch mehr Fundament, man könnte auch sagen – Dreidimensionalität. Bei Mössingers Klassiker“ Spring in Versailles ”lässt sich das zum Beispiel gut nachvollziehen. Gerade in den synchronen gemeinsamen Passagen verbinden sich Klavier- und Marimba-Klang zu einer übergeordneten Einheit, innerhalb derer sich die beiden Instrumente richtiggehend zu bedingen scheinen.

Mössinger ist froh, dass ihm das Freiburger Klavierhaus Lepthien für das anstehende Konzert beim Freiburger Jazzkongress, dessen Vorsitzen derer ist, einen veritablen Steinway-D-Konzertflügel zur Verfügung stellt. Die Qualität von Interpret und Instrument müssen einander entsprechen. Zumal das Duo künstlerisch expandiert. Nach den ersten Auftritten in Freiburg geht’s hinein in die Region und sicher bald drüber hinaus. Und auch die erste CD scheint nicht mehr in weiter Ferne. Keine Frage, da ist etwas zusammengewachsen, was zusammenpasst. Ob es nun Klassik ist oder Jazz – darüber denkt man, wenn man die beiden gehört hat, nicht mehr nach. It’s Playing. Und es ist gut.

 

Portrait BZ Juni 2013
Artikel von Alexander Dick, Badische Zeitung, 22.6.2013